【歐華作協專欄】謝盛友:你真的要走麼? (中德雙語)

2018/2/15  
  
本站分類:創作

【歐華作協專欄】謝盛友:你真的要走麼? (中德雙語)

(攝影: 朱頌瑜) Foto: Carmen Zhu

 

再次看到你,把雨水流出百轉千回的紅瓦青瓦,想到不久的將來,你要從鄉村裡徹底消失,我心裡十分悲痛。

我站在你跟前,捕捉不到你的深情。我的想像,有致命的弱點,穿不透時空累疊的厚度。我只能望著兩屋之間,一束陽光,想暗影裡的傷,涵著至高的痛。

你呵護著我的成長,像父母般關愛。遺憾悵憾,如今,物質娛樂的聲色、霸淩的犬馬,無情地將你掃落。文明與文化隨風披靡,貪官與奸商的良心,被鈔票銳利的鋒片切割得零碎,我不忍睹。你將在鷹架環伺與起重機的咆哮聲中消失。我感慨。

走了這麼多年,月落月升,我心越來越空,空到裝不下你的影子。你為什麼不給我一串開啟靈智的鑰匙? 啊! 還是我笨,鑰匙已經生銹了,我找不到屬於我的那扇心窗。你冷眼逼視我。我那日漸衰弱的心臟,走向崩潰的邊緣。失而復得,得而復失,心臟越是虛弱,越是難以承受生命之輕。我渴望像石頭一般,讓你裝進去,負重前行。

你真的要走麼? 你永遠不懂,我心空的感覺。你若遠離人間的寒煙,就淹沒了我的流向,父老鄉親們找不到你的位置,傾聽不到你的心語。

你真的要走麼?

 

Sehnsucht

Von You Xie

 

Bei einer Tasse Tee lese ich ein gutes Buch, das Buch meines Lebenslaufs. Meine Glieder sind mir rheumatisch gelähmt, meine Seele tief beschämt. Ich gehe durch stille Gassen rastlos hin, und trete in ein mir bekanntes Haus. Still, weltfern lebt hier nur sanfter Staub. An allen Wänden stehen Schränke. Ich will die Bücher sehen, ich öffne von den stillen Schränken einen. Ich lege mir mein Herz auf den Tisch, und es bricht auf, verstaubtes, altes Blut. Die Schränke an den Wänden stehen alle offen, vor mir dichte Reihen dunkler Herzen. Ich sehne mich, dort sitzt ein Mensch, gelb und einsam sieht er aus, Jahrhunderte allein. Er sieht mich wartend an mit leeren Augen.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehen. Ich weiß nicht, ob ich ein kleines Kind, ein großer Junge, oder ein alter Mann bin. Lebenserinnerungen geben die Szenen, sie sind Schlüssel zu meiner subjektiven Biografie, sie sind gespeichert in den Tiefen meines Gedächtnispalasts. Ich habe viele solcher Schlüssel, die in die vielen Schlösser meines Palasts passen und die Türen zu meiner eigenen Identität öffnen. Wie der Tee, schmeckt manchmal süß, manchmal bitter.

Ich habe viele Gerüche gerochen in unserer Erdenküche. Ich habe Tee getrunken, habe Kuchen gegessen. Ein seidenes Hemd trage ich in meinem Haus.

Ich liege auf der grünen Wiese des Glücks. Die Sonne grüßt goldigsten Blicks. Sie duftet mir Träume ins Gehirn.

Ich habe dich wieder gesehen. Du hast rote Bausteine und grüne Dachziegel mit langer Tradition. Du hast in einem besonderen Charme, Wärme und Geborgenheit mein Haus zu meinem Heim gemacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, in Kürze wirst du aus deinem Leben verschwinden. Mein Kummer wird nicht gestillt, mein Herz mit Schmerz erfüllt.

Ich stehe vor dir und kann deine tiefe Liebe spüren, aber die Kraft meiner Phantasie ist zu schwach die Zeit deines Lebens zu berechnen, wieviel Jahrhundert hast du gelebt?

Oben scheint die Sonne, in deinem Schatten sehe ich, dass du für mich leidest. Ich fühle meine Pein.

Du hast mich auferzogen, sowie meine Eltern. Schade, sehr schade, Materialismus und Habgier vernichten dich. Zivilkultur und Traditionen verfallen, das Herz der korrupten Kader und der geschäftssüchtigen Kaufleute wird durch ein scharfes Messer des Geldes in Stücke geschnitten. Ich kann nicht wegschauen. Geier und Raubvögel sehen dich als Beute, du wirst durch die absonderlichen Geräusche des Krans verdorben. Den Abriss beweine ich.

Wie lange lebst du schon? Sonne geht auf, Sonne geht nieder, und meine Seele wird immer leerer. So leer, dass ich deinen Schatten nicht aufnehmen kann. Warum gibst du mir keinen Schlüssel der Weisheit? Ah, wie dumm ich bin! Mein Schlüssel schon verrostet, und ich finde damit keine richtige Türe. Du verachtest mich, ich gebe zu, du hast das Recht. Mein Herz wird immer schwächer. Ich soll sterben, nicht du. Das Leben ist so, das Nehmen und das Geben, das Geben und das Nehmen. Ich bin so schwach, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins zu verstehen. Ich wünsche mir, dass ich in einen Stein verwandle. Du kannst mich aufnehmen und ich gehe mit dir den Weg.

Wirst du wirklich verschwinden? Du verstehst mich nicht. Wenn du nicht da, habe ich dann keine Orientierung, meine Geschwister haben keine Chance mehr zu hören, nämlich die Geschichte seit tausend Jahren.

Den Abriss beweine ich.

 

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